Das Taxi der Zukunft kommt viel später

Das Taxi und der Beruf des Taxifahrers werden von vielen bereits totgeschrieben. Schon in wenigen Jahren werde es sich überleben und durch neue, innovativere Technologien abgelöst. Taxifahrer würden schon bald nicht mehr benötigt, denn das autonom fahrende Taxi können den Fahrgast überall abholen und günstig und sicher  zum Wunschziel fahren. Bestellt wird per App, gezahlt auch.

Der Druck zur Veränderung scheint sehr groß – und so werden höchst optimistische Prognosen veröffentlicht, die genauerer Recherche nicht standhalten. Zum Teil basieren die Aussagen auf dem Wunsch, den Aktionären der Firmen eine Vision mitzugeben, die dann die Aktienkurse positiv beeinflussen soll. Manche Unternehmen gehen sogar so weit, dass unausgereifte und unsichere Autos in den Testbetrieb gehen. Im März 2018 ist erstmals ein Mensch bei einem Unfall mit einem selbstfahrenden Auto gestorben. Der Volvo XC90 aus der Uber-Flotte erfasste in der Stadt Tempe im US-Bundesstaat Arizona eine Frau, die die Fahrbahn überquerte. Die Fußgängerin erlag später ihren schweren Verletzungen.

Alternative Angebote zum Taxi

Das Taxigewerbe in Deutschland sieht sich immer mehr Wettbewerb gegenüber. Ridesharing, Ridepooling und per App vermittelte Mietwagen nehmen in den Großstädten stark zu. Tausende Fahrzeuge zusätzlich möchten in der Personenbeförderung erfolgreich sein.  Wir erleben, dass neue Anbieter mit Dumpingpreisen versuchen, sich Marktanteile zu kaufen.

Die individuelle Personenbeförderung hat einen Preis, der sich aus verschiedenen Kosten zusammensetzt. Wenn eine Kommune heute die Tarife für ihr Pflichtfahrgebiet festlegt, werden die tatsächlichen Kosten der Personenbeförderung berechnet, dazu kommt ein kleiner Aufschlag für den Unternehmer. Da das Taxi als Teil der Mobilitätsvorsorge gesehen wird, entfällt auf den Beförderungspreis eine reduzierte Mehrwertsteuer von 7 Prozent, alle anderen zahlen 19 Prozent. Schon allein deshalb müsste die Fahrt im Mietwagen teurer sein.

Die Dumpingangebote kosten die dahinter stehenden Konzerne jedes Jahr mehrere Millionen Euro und eine Besserung ist für diese Verluste, die mit jeder Fahrt steigen, nicht abzusehen. Inzwischen wird dieses Engagement, Fahrten dauerhaft nicht kostendeckend anzubieten, in den Konzernen zunehmend kritisch gesehen. Es ist zu erwarten, dass es bei den Taxi-Alternativen zu einer Entwicklung kommt, in der mehrere Anbieter ihr Vorhaben aufgeben werden. Clever Shuttle hat bereits das Engagement in drei Städten beendet, bei FreeNow wurden jetzt mehrere amerikanische Standorte geschlossen.

Autonom fahrende Taxis

Das autonom fahrende Taxi braucht – wie das autonom fahrende Auto (Stufe 5)  insgesamt – noch viele Jahre, bis es in Deutschland als echte Alternative unterwegs sein wird. Das wirklich autonom fahrende Auto ist an eine flächendeckende Netzinfrastruktur im 5G-Standard gebunden, die nach heutigem Kenntnisstand in den nächsten Jahren nicht gewährleistet sein wird. Nur mit dieser Infrastruktur mit besonders schnellen und stabilen Internetgeschwindigkeiten kann das autonom fahrende Fahrzeug die Daten der zahlreichen Sensoren verarbeiten. Die Datenmengen einer Vielzahl von Fahrzeugen, die über einen Access-Point ins Netz müssen und hunderte Gigabyte an Daten pro Sekunde übertragen, dürfte selbst diesen Standard überfordern.

Auch rechtlich ist vom Gesetzgeber bisher wenig geklärt.

Flugtaxis

In drei bis fünf Jahren sollen Flugtaxis im kommerziellen Einsatz sein, verspricht Alexander Zosel, Mitgründer und Chief Innovation Advisor von Volocopter in der Zeitung Die Zeit. Bisher erinnern die Prototypen an vergrößerte Drohnen. Auch hier sind viele rechtliche Fragen noch unklar und die nötige Infrastruktur für die innerstädtische Kurzstrecke fehlt noch komplett. Wo sollen Flugtaxis landen? Auf Hochhausdächern, die zu Skyports umgebaut werden? Was, wenn es nicht genug geeignete Dachflächen gibt?

Wahrscheinlich ist es einfach ein Problem mit dem Begriff „Flugtaxi“. Wer definiert, was ein Flugtaxi ist? Ein Flugtaxi kann auch eine Drohne mit Pilot sein, die als Senkrechtstarter nahe gelegene Flughäfen bedient, bei denen aufgrund geringer Passagierzahlen auch kleinere Propeller-Verkehrsflugzeuge nicht kostendeckend fliegen können. Das wäre ein realistisches Szenario.

Realistische Entwicklungsmöglichkeiten

Wahrscheinlicher erscheint, dass sich die Taxiflotte in den nächsten Jahren erneuert, alternative und umweltschonende Antriebe sich durchsetzen und die leichte Bestellung, Bezahlung und Bewertung von immer mehr Verbrauchern genutzt wird.

Wir rechnen damit, dass es in ein bis drei Jahren auch eine deutschlandweit nutzbare Abrechnungsmethode gibt, die für Geschäftskunden Erleichterung schafft. Natürlich wird es zunehmend Pilotprojekte für autonom fahrende oder fliegende Beförderungsmöglichkeiten geben, bevor diese sich aber so weit im Regelbetrieb durchsetzen, dass sie tatsächlich das Taxi ablösen und eine Vielzahl der Beförderungen leisten können, werden noch viele Jahre vergehen. Sinnvoll erscheint für die nächsten Jahre die Entwicklung von mobilen Apps, die über eine sinnvolle und intelligente Verknüpfung von am Ort verfügbaren Verkehrsmitteln den Nutzern die richtige Auswahl der Verkehrsmittel für ihren kompletten Weg vom Start zum Ziel erleichtern.

Jeder Taxifahrer ist Botschafter für das Taxi-Gewerbe

Eigentlich ist es klar – und doch muss man es immer wieder wiederholen: Es kommt auf den einzelnen Fahrer und die einzelne Fahrerin an. Ein Taxi heute muss sauber und gepflegt sein, das Ziel auf dem direkten Weg angesteuert werden. Ganz wichtig ist freundliche Höflichkeit, selbst wenn die Fahrstrecke kurz ist. Dazu gehört auch, dass dem Fahrgast beim Gepäck geholfen wird und der Beifahrersitz nicht als Ablagefläche für das Mittagessen und die Zeitung genutzt wird. Es gehört auch zum Service, den Fahrgast zu fragen, ob er eine Quittung haben möchte und die gewünschte Bezahlart zu ermöglichen.

Wenn Taxis in der Reihe vor dem Bahnhof, dem Flughafen oder am Taxistand stehen, sollte der Fahrgast nicht genötigt werden, das erste Fahrzeug zu nehmen. Ja, es gibt diesen Ehrenkodex, dass der erste in der Schlange den nächsten Passagier aufnimmt. Doch ist dieser nicht kundenfreundlich, er entsteht aus der Ich-Perspektive der Fahrer. Wenn der Fahrgast ein bestimmtes Fahrzeug nehmen möchte, dann soll er es nehmen können.

Der Ehrenkodex des Taxigewerbes sollte dagegen auf die komplette Dienstleistungsqualität erweitert werden: Ein Fahrgast, der freundlich begrüßt wurde, dem das Gepäck sorgsam im Kofferraum verstaut und die Tür aufgemacht wurde, wird eine positive Erinnerung an die Begegnung mit Fahrer und Fahrzeug haben und sicher auch ein höheres Trinkgeld geben. Und das alles kostet nichts, es ist allein eine Sache der Einstellung.

 

(Markus Burgdorf)

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